Updates aus der Neuroonkologie
Blog zu neuen Studienergebnissen/Aktuellen Neuigkeiten aus der Neuroonkologie
19.10.2025 (Thema des heutigen Blogs)
Aktuelle Ergebnisse der N2M2-(NOA-20)-Studie zur Präzisionsmedizin beim Glioblastom – erstmals wurden molekular zielgerichtete Therapien + Strahlentherapie im Erstlinien-Setting untersucht (Wick et al., Nature Medicine, 2025).
➡️ Nur Temsirolimus zeigte bei mTOR-aktivierten Tumoren einen klaren Überlebensvorteil. Die Temodaltherapie bei MGMT nicht methylierten Glioblastompatienten ist nicht effektiv, und die mangelnde Effektivität ist zumindest in der Beratung dieser Patienten zu besprechen.
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20.10.2025 (Thema des heutigen Blogs)
CAR-T-Zelltherapie beim Glioblastom – eine Dekade klinischer Studien
(Begley et al., Molecular Therapy 2025), Molecular Therapy (2025) 33(6): 2454-2461 DOI: 10.1016/j.ymthe.2025.03.004
CAR-T-Zellen gelten als vielversprechender immuntherapeutischer Ansatz beim Glioblastom, einer bisher kaum behandelbaren Erkrankung. Zwischen 2015 und 2024 wurden 10 klinische Phase-I-Studien durchgeführt.
➡️ Zielstrukturen: EGFRvIII, HER2 und IL13Rα2
➡️ Applikationswege: intrazerebral (intrakavitäre / intraventrikuläre Infusion) oder peripher (i.v.)
➡️ Sicherheit: Gute Verträglichkeit, keine schweren systemischen Toxizitäten
➡️ Wirksamkeit: Teilweise radiologische und klinische Antworten, aber keine dauerhaften Remissionen bisher
➡️ Zukunft: Kombinationen aus dual-targeted CARs und modifizierten T-Zellen (dnTGF-βRII, IL-18-sekretierende CARs) sollen die Tumorheterogenität und das immunsuppressive Mikromilieu überwinden.
Fazit: Nach einem Jahrzehnt klinischer Forschung zeigt sich – CAR-T-Zelltherapie ist sicher machbar beim Glioblastom, aber die Herausforderungen liegen in der biologischen Heterogenität und fehlenden Langzeitpersistenz der Zellen.
Sie markiert den Beginn der „zellulären Präzisionsmedizin“ in der Neuroonkologie.
29.10.2025 (Thema des heutigen Blogs)
Thema: Neue Therapieansätze beim Rezidivglioblastom – MecMeth/NOA-24-Studie startet Phase II
Die Kliniken für Neuroonkologie und Neurochirurgie am Universitätsklinikum Bonn haben den Start der Phase-II-Studie MecMeth / NOA-24 bekanntgegeben.
Untersucht wird eine Kombination aus Temozolomid und Meclofenamat, einem ursprünglich rheumatologisch eingesetzten entzündungshemmenden Medikament (NSAID).
➡️ Hintergrund: Meclofenamat blockiert Gap Junctions und stört die Kommunikation zwischen Glioblastomzellen. Dadurch werden Tumorzellen isoliert und wieder empfindlicher gegenüber Chemotherapie.
➡️ Zielgruppe: Patient:innen mit MGMT-methyliertem Glioblastom im ersten Rezidiv.
➡️ Design: Randomisierte Phase-II-Studie (60 Teilnehmende, 15 Zentren in Deutschland).
➡️ Koordination: Prof. Ulrich Herrlinger & PD Dr. Matthias Schneider, Universitätsklinikum Bonn.
➡️ Förderung: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF, ≈ 2 Mio. €).
Fazit:
Das Konzept der Tumor-Netzwerk-Disruption durch Blockade interzellulärer Kommunikation eröffnet einen neuartigen, translationalen Ansatz. Sollte sich die Kombination als wirksam erweisen, wäre Meclofenamat der erste klinisch einsetzbare Tumor-Mikrotubulus-(TM)-Targeter beim Glioblastom.
Weitere Infos:
🔗 UKB-Forschungsgruppe Brain Tumor Translational Research
🔗 Studienprotokoll MecMeth/NOA-24, Trials 2022 ; 23: 57
30.10.2025 (Thema des heutigen Blogs)
Vorasidenib bei IDH1/2-mutierten niedriggradigen Gliomen – neue Ergebnisse der Phase-III-INDIGO-Studie (Cloughesy et al., The Lancet Oncology, 2025) In der jetzt publizierten INDIGO-Studie wurde der IDH-Inhibitor Vorasidenib bei Patient:innen mit niedriggradigen, IDH1- oder IDH2-mutierten diffusen Gliomen (WHO-Grad 2) untersucht. Diese Tumoren wachsen meist langsam, betreffen häufig jüngere Erwachsene und weisen eine vergleichsweise gute Prognose auf – erfordern aber irgendwann eine onkologische Therapie.
➡️ Studiendesign:
331 Patient:innen mit residualem oder rezidiviertem Grad-2-Gliom nach Operation, aber ohne vorherige Radiochemotherapie, wurden 1:1 randomisiert (Vorasidenib 40 mg täglich vs. Placebo).
➡️ Hauptergebnisse: Progressionsfreies Überleben (PFS): nicht erreicht unter Vorasidenib vs. 11,4 Monate unter Placebo (HR 0,35). Zeit bis zur nächsten Intervention: signifikant verlängert (HR 0,25). Tumorwachstumsrate: −1,3 % unter Vorasidenib vs. +14,4 % unter Placebo. Anfallshäufigkeit: deutlich reduziert (18 vs. 51 Anfälle pro Patientenjahr). Lebensqualität & Neurokognition: stabil in beiden Gruppen. Nebenwirkungen: vor allem vorübergehende Erhöhungen der Leberwerte (ALT/AST); keine therapiebedingten Todesfälle
➡️ Bedeutung für die Praxis:
Vorasidenib verlangsamt das Tumorwachstum, reduziert Anfälle und verschiebt den Zeitpunkt weiterer Behandlungen (z. B. Bestrahlung oder Chemotherapie) – ohne die Lebensqualität oder kognitive Funktion zu beeinträchtigen.
Damit gilt Vorasidenib als neuer Standard für IDH-mutierte Grad-2-Gliome nach alleiniger Operation, wenn keine unmittelbare Radiochemotherapie nötig ist.
Fazit:
Diese Ergebnisse markieren einen entscheidenden Fortschritt in der personalisierten Therapie niedriggradiger Gliome. Der Einsatz von IDH-Inhibitoren wie Vorasidenib könnte künftig helfen, die Lebensqualität junger Betroffener über viele Jahre zu erhalten, bevor belastendere Behandlungen notwendig werden.
📄 Quelle:
Cloughesy TF et al. Vorasidenib in IDH1-mutant or IDH2-mutant low-grade glioma (INDIGO): secondary and exploratory endpoints from a randomised, double-blind, placebo-controlled, phase 3 trial. The Lancet Oncology, 2025. DOI: [10.1016/S1470-2045(25)00419-7]*
01.11.2025 (Thema des heutigen Blogs)
TERT-Expression als neuer Prognosemarker bei Meningeomen (Gui et al., The Lancet Oncology, 2025; 26(9): 1191–1203)
Eine große multizentrische Studie aus Toronto, mit Beteiligung aus Deutschland, Kanada und den USA, hat gezeigt:
Nicht nur TERT-Promotor-Mutationen, sondern auch eine erhöhte TERT-Expression ohne Mutation gehen mit einem deutlich früheren Tumorprogress bei Meningeomen einher.
➡️ Wichtigste Ergebnisse:
Daten von 1.241 Patient:innen (2000–2024)
TERT-Expression bei rund 30 % aller Meningeome
Progressionsfreies Überleben (PFS):
TERT-negativ: ca. 16 Jahre
TERT-exprimierend (ohne Mutation): ca. 3 Jahre
Mit TERT-Mutation: ca. 1,5 Jahre
TERT-positive Tumoren verhalten sich biologisch wie Meningeome einer höheren WHO-Stufe
➡️ Fazit:
TERT-Expression ist ein unabhängiger Marker für aggressiveres Wachstum – auch ohne Promotor-Mutation.
Die Autoren schlagen vor, TERT-positive Meningeome künftig höher zu klassifizieren und engmaschiger zu kontrollieren.
📄 Quelle:
Gui C et al. Analysis of TERT association with clinical outcome in meningiomas. The Lancet Oncology, 2025.
05.11.2025 (Thema des heutigen Blogs)
Pilotstudie (Phase I) zu IDH1-Inhibitor Safusidenib (AB-218/DS-1001b) bei Patient:innen mit nicht vorbehandelten, niedriggradigen IDH-mutierten Gliomen (WHO Grad 2).
➡️ Studiendesign:
10 Patient:innen ohne vorherige Strahlen- oder Chemotherapie
Zweistufiges Konzept: Biopsie → 22–36 Tage Safusidenib → Operation
Postoperative Weiterbehandlung und Nachbeobachtung
➡️ Ergebnisse:
Sichere und machbare Durchführung bestätigt. Nebenwirkungen meist mild (Grad 1): Hautreizungen, Müdigkeit, Gelenkschmerzen. Ein Patient mit vorübergehender Leberwerterhöhung (Grad 3). Zielmolekül-Wirkung nachgewiesen: deutliche Reduktion des Onkometaboliten 2-Hydroxyglutarat und Veränderungen in Zelldifferenzierung und neuronaler Aktivität.
➡️ Bedeutung:
Das Verfahren zeigt, dass eine kurzzeitige IDH1-Hemmung vor der Operation sicher und biologisch wirksam ist.
Der Ansatz erlaubt es, prä- und posttherapeutische Gewebeproben direkt zu vergleichen, um Resistenzmechanismen besser zu verstehen.
📄 Fazit:
Safusidenib greift gezielt in den Stoffwechselweg von IDH-mutierten Gliomen ein und ebnet den Weg für größere Studien mit Kombinationstherapien und früheren Behandlungsstrategien.
07.11.2025 (Thema des heutigen Blogs)
Thema: TCR-T-Zelltherapie gegen PTPRZ1, ein „Stemness“-Antigen bei Glioblastom; Chih YC et al. Nature Communications 2025;16:1262.
Relevanz: Glioblastome sind therapieresistent. TCR-T-Zellen erkennen intrazelluläre Antigene (über HLA-Präsentation) und könnten CAR-T-Limitationen teilweise umgehen.
Vorgehen
Aus einer geimpften GBM-Patientin wurde ein HLA-A*02-restriktiver, PTPRZ1-reaktiver TCR isoliert.
PTPRZ1-Überexpression wurde in Tumorzellen—besonders GSCs und astrozyten-ähnlichen Zellen—per Bulk- und Single-Cell-Analysen bestätigt.
PTPRZ1-TCR-T-Zellen wurden getestet:
In vitro: Antigen-spezifische Lyse aller geprüften HLA-A*02+ Primär-GBM-Linien mit Präferenz für GSC/AC-ähnliche Zustände; keine relevante Off-Target-Reaktivität.
In vivo (Maus): Kombinierte i.v. + intrazerebroventrikuläre (ICV) Gabe war wirksam.
Patienten-Organoide (IPTOs): Abnahme maligner Zellen, Reduktion von PTPRZ1, Depletion von GSCs und AC-ähnlichen Zellen.
Mechanistik/Validierung
Antigenabhängigkeit: ~60 % PTPRZ1-Reduktion durch CRISPR hob TCR-T-Zytotoxizität auf → klarer On-Target-Effekt.
T-Zell-Phänotyp: Stem-cell-memory-Merkmale blieben erhalten.
CD4+ Anteil verbesserte Zytotoxizität/Zytokinunterstützung.
Sicherheits-Screening: Präklinisch keine bedenklichen Off-Targets identifiziert.
Limitationen & Ausblick
Präklinische Daten; HLA-A*02-Restriktion begrenzt die unmittelbare Anwendbarkeit.
Mögliches Antigen-Escape → künftig multivalente TCR-Strategien.
Geplante Phase-I-Studie (INVENT4GB) mit i.v. + ICV CD4+/CD8+ PTPRZ1-TCR-T zur Prüfung von Machbarkeit/Sicherheit bei rezidiviertem GBM.
Fazit: PTPRZ1-spezifische TCR-T-Zellen zielen selektiv auf stammzellartige Tumorpopulationen und verändern Tumorzellzustände—ein starker Translational-Proof-of-Concept für TCR-T beim Glioblastom.
26.11.2025 (Thema des heutigen Blogs)
Perioperative Dexamethasondosis bei Hirnmetastasen beeinflusst Überleben – Ergebnisse einer großen multizentrischen Studie
(Wasilewski et al., JAMA Network Open, 2025)
📌 In einer retrospektiven Multizenteranalyse mit 1.064 operierten Patient:innen mit symptomatischen Hirnmetastasen (2010–2023) wurde der Zusammenhang zwischen perioperativer Dexamethasongabe (Tag −13 bis +13) und dem Überleben untersucht.
➡️ Ergebnis: Eine kumulative Dosis von ≥122 mg Dexamethason war mit einem signifikant kürzeren Gesamtüberleben assoziiert (Median 11,8 vs. 19,1 Monate; HR 1,40). Auch die intra- und extrakranielle progressionsfreie Zeit (PFS) war in der Hochdosisgruppe kürzer.
➡️ Der negative Effekt war unabhängig von Tumorvolumen, Ödemausmaß, ds-GPA und adjuvanter Therapie – die Dosis-Wirkungs-Beziehung war robust und wurde mittels Propensity Score Matching gestützt.
🧠 Dexamethason ist Standard zur Ödemkontrolle vor und nach Metastasenresektion – doch bisher fehlten belastbare Daten zu klinisch relevanten Schwellenwerten und Nebenwirkungen.
❗️Interessant: Auch die Rate an chirurgischen Wundrevisionen (SSI) war bei höherer Dosis erhöht.
📌 Fazit: Diese Studie zeigt eindrücklich, dass es an klaren, evidenzbasierten Empfehlungen zur Dexamethasondosierung in der Neuroonkologie mangelt – prospektive Studien zur Validierung eines sicheren Grenzwerts sind dringend notwendig.
📄 Quelle: Wasilewski D, Onken J et al.
Practice Variation in Perioperative Dexamethasone Use and Outcomes in Brain Metastasis Resection.
JAMA Netw Open. 2025;8(4):e254689. doi:10.1001/jamanetworkopen.2025.4689
06.12.2025 (Thema des heutigen Blogs) Neue Daten aus der Phase-III-Studie TROPION-Lung01: Dato-DXd vs. Docetaxel bei NSCLC
In der internationalen TROPION-Lung01-Studie (Ahn et al., J Clin Oncol 2025; DOI: 10.1200/JCO-24-01544) wurde Datopotamab Deruxtecan (Dato-DXd) erstmals in einer Phase-III-Studie mit Docetaxel bei vorbehandeltem, fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC verglichen.
📌 Patienten: 604 NSCLC-Patient:innen nach mind. einer Vortherapie
📌 Therapiearme:
Dato-DXd 6 mg/kg alle 3 Wochen
Docetaxel 75 mg/m² alle 3 Wochen
📍 Primäre Endpunkte:
PFS (progressionsfreies Überleben):
Gesamtpopulation: 4,4 vs. 3,7 Monate → HR 0,75, p = 0,004
Besonders effektiv bei nicht-plattenepithelialem (nonsquamous) NSCLC:
5,5 vs. 3,6 Monate, HR 0,63
OS (Gesamtüberleben):
Kein signifikanter Unterschied: 12,9 vs. 11,8 Monate, HR 0,94
📍 Nebenwirkungen:
G3+ Nebenwirkungen: 26 % (Dato-DXd) vs. 42 % (Docetaxel)
Interstitielle Pneumonitis: 8,8 % vs. 4,1 %
📌 Fazit:
Dato-DXd verbessert das PFS signifikant, insbesondere bei nicht-squamösem NSCLC. Das Gesamtüberleben wurde numerisch verbessert, ohne statistische Signifikanz. Insgesamt zeigte sich ein günstigeres Sicherheitsprofil als unter Docetaxel.